Projekt Medienkonvergenz

16.12.2009: Medienkonvergenz SRG SSR: Publizistisches und betriebliches Gesamtkonzept für die SRG Deutschschweiz verabschiedet >>

02.07.2009: SRG SSR idée suisse Medienkonvergenz auf Kurs >>

26.05.2009: VR SRG.D legt Projektorganisation fest >>

12.05.2009: Interview mit Viktor Baumeler, VR-Präsident SRG.D >>

12.05.2009: Zwei Radio-Mitarbeitende im Gespräch zum Projekt >>

12.05.2009: Fahrplan Konvergenz >>

16.12.2009: Medienkonvergenz SRG SSR: Publizistisches und betriebliches Gesamtkonzept für die SRG Deutschschweiz verabschiedet

Der nationale Verwaltungsrat SRG SSR idée suisse hat heute das publizistische und betriebliche Gesamtkonzept «Medienkonvergenz SRG.D» gutgeheissen. Damit hat er grünes Licht für die Konkretisierung der Zusammenlegung von Schweizer Radio DRS und Schweizer Fernsehen SF gegeben, welche im Juni 2010 entscheidungsreif und am 1.Januar 2011 vollzogen werden soll. Den Regionaldirektor oder die Regionaldirektorin wird der VR SRG SSR voraussichtlich im Juli 2010 auf Vorschlag des Regionalvorstandes der SRG Deutschschweiz (SRG.D) wählen.  -> Vollständige Medienmitteilung als PDF >>
 -> Organigramm „Geschäftsleitung SRG.D“ ab 2011 als PDF >>

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02.07.2009: SRG SSR idée suisse Medienkonvergenz auf Kurs

Die regionalen Konvergenzprojekte der SRG SSR idée suisse sind auf Kurs. Zu diesem Schluss kommt Gesamtprojektleiter Gérard Tschopp aufgrund einer Standortbestimmung, die am 30. Juni 2009 in Bern zusammen mit den verantwortlichen Kadermitarbeitenden der SRG SSR stattgefunden hat. Gleichzeitig wurde das nationale Effizienzprojekt zur Optimierung der Supportbereiche lanciert. Damit ist das Projekt «Konvergenz und Effizienz» auch auf nationaler Ebene offiziell gestartet. Die Projekte in den Sprachregionen schreiten zügig voran. Dem Verwaltungsrat SRG SSR können bereits Ende dieses Jahres die regionalen Konzepte der italienischsprachigen Schweiz und der Suisse romande zur Verabschiedung vorgelegt werden.

Am 30. Juni 2009 trafen sich in Bern die verantwortlichen Kadermitarbeitenden der SRG SSR aus allen Sprachregionen zu einer Standortbestimmung im Konvergenzprojekt. Dabei zeigte sich, dass die regionalen Konvergenzprojekte wie erwartet unterschiedlich weit fortgeschritten sind. In der italienischsprachigen Schweiz arbeiten Radio und Fernsehen bereits weitgehend konvergent. In der Suisse romande werden dem Verwaltungsrat RTSR im kommenden Oktober das betriebliche und das publizistische Konzept des neuen Unternehmens zum Entscheid vorgelegt. Die Umsetzung soll im Frühjahr 2010 beginnen. In der Deutschschweiz werden die Verantwortlichen im Oktober 2009 ein Grobkonzept für die Medienkonvergenz vorlegen. Nach der Erarbeitung des Detailkonzeptes im 2010 wollen SR DRS und SF die Konvergenz ab 2011 operativ umsetzen. Bereits laufende Konvergenzmassnahmen, z.B. die Zusammenarbeit im Online-Bereich oder im Kinderprogramm, werden umgesetzt bzw. fortgeführt. In der rätoromanischen Schweiz arbeitet RTR bereits seit einigen Jahren konvergent.

Mit der Konvergenz will die SRG SSR Qualität und Vielfalt fördern und auf die veränderten Bedürfnisse des Publikums eingehen. Voraussetzung dafür ist die organisatorische Zusammenführung der Radio- und Fernsehunternehmen pro Region und damit auch der Supportfunktionen. Bei der Umsetzung der Konvergenz können und sollen die Regionen den unterschiedlichen Strukturen und Voraussetzungen Rechnung tragen und massgeschneiderte Formen der Zusammenarbeit entwickeln.

Im Rahmen des Gesamtprojektes «Konvergenz und Effizienz» wurde am 30. Juni auch das Effizienzprojekt gestartet. Mit diesem national geführten Projekt unter der Leitung von Stephan Giachino will die SRG SSR die Produktivität der Supportdienste erhöhen und gegenüber dem Budget 2009 rund 10 Prozent der Kosten einsparen. Das Effizienzprojekt umfasst die sieben Supportbereiche Informatik-Infrastruktur, Immobilienmanagement, Logistik, Finanzen/Controlling, Human Resources/Ausbildung, Rechtsdienst sowie Kommunikation/Marketing. Die Einsparungen aus dem Effizienzprojekt kommen den Unternehmenseinheiten zugute und bleiben in der Region; sie werden in die Konvergenzprojekte und in die Programme investiert.

Quelle: Unternehmenskommunikation SRG SSR idée suisse / Medienmitteilung vom 2.7.2009

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26.05.2009: Medienkonvergenz: VR SRG.D legt Projektorganisation fest

Der Verwaltungsrat SRG.D hat die Grundzüge der Projektorganisation im Projekt Medienkonvergenz SRG.D festgelegt und den Steuerungsausschuss bestimmt. Es wird eine zweistufige Projektleitung geschaffen, bestehend aus einer operativen Co-Projektleitung und einem Steuerungsausschuss. Im Juni will der VR die Co-Projektleitung und die Teilprojektleitungen einsetzen.

Für das Projekt ‚Medienkonvergenz SRG.D‘, den Deutschschweizer Teil des umfassenden Projekts ‚Medienkonvergenz und Wirtschaftlichkeit‘ der SRG SSR idée suisse, hat der Verwaltungsrat SRG.D an seiner Sitzung vom 25. Mai 2009 die Grundzüge der Projektorganisation festgelegt.
Es wird eine zweistufige Projektleitung geschaffen, bestehend aus einer operativen Co-Projektleitung und einem Steuerungsausschuss. Die Co-Projektleitung soll im Juni gewählt werden. Bereits bestimmt ist der Steuerungsausschuss. Er besteht aus SRG.D-Präsident Viktor Baumeler (Vorsitz) sowie Ingrid Deltenre (SF) und Iso Rechsteiner (SR DRS).

Projektarbeit in zehn Teilprojekten
Das Fundament bildet das Teilprojekt ‚Publizistisches und betriebliches Gesamtkonzept‘. Es soll die spezifischen Eigenschaften und strategischen Erfolgspositionen von Radio, Fernsehen und Multimedia darlegen und aufzeigen, wie die inhaltliche Vielfalt und die Qualität durch das Zusammenlegen der Kräfte von SR DRS und SF gestärkt und die vorhandenen Potenziale und Synergien ausgeschöpft werden können.

Weitere Arbeiten erfolgen in programmlichen Konvergenzfeldern mit den vier Teilprojekten ‚Information/News‘, ‚Kultur‘, ‚Unterhaltung/Musik‘, und ‚Sport‘, in produktionstechnischen und programmnahen Konvergenzfeldern mit demTeilprojekt ‚Produktion, IT und programmnahe Dienste‘ und in betrieblichen Konvergenzfeldern mit den Teilprojekten ‚Kommunikation & Marketing‘, ‚Human Resources‘ sowie ‚Finanzen, Recht und Immobilien‘. Das Teilprojekt ‚Unternehmenskultur, Kommunikation und Integration‘ schliesslich beinhaltet das „Change Management“ für die Zusammenführung der beiden Unternehmenseinheiten.

Das Teilprojekt ‚Publizistisches und betriebliches Gesamtkonzept‘ soll von der Co-Projekt-leitung geleitet werden, alle anderen Teilprojekte von einer Person aus dem Kader von SR DRS,  SF oder tpc. Die Projektarbeit wird in gemischten Projektteams geleistet, die insgesamt ausgewogen zusammengesetzt sein sollen.

Ambitiöser Zeitplan
Im Juni will der VR SRG.D auf Vorschlag des Steuerungsausschusses zusammen mit der Co-Projektleitung auch die Teilprojektleitungen bestimmen. Anschliessend werden Co-Projekt-leitung und Teilprojektleitungen die Projektteams zusammenstellen und die Arbeiten am Projekt aufnehmen. In einer ersten Phase sollen bis Ende Oktober das publizistische Gesamtkonzept für die zu bildende trimediale Unternehmenseinheit entworfen und die Vorgaben für das Betriebskonzept der Unternehmenseinheit formuliert werden. Ab November sollen die Detailkonzepte und Umsetzungsplanungen in den einzelnen Konvergenzfeldern erarbeitet und die Fragen der Unternehmenskultur, Kommunikation und Integration vertieft bearbeitet werden. Ende Mai 2010 soll dem Verwaltungsrat SRG SSR die Freigabe für die Umsetzung beantragt werden können.

Quelle: SRG.D, Geschäftsstelle / Medienmitteilung vom 26.05.09

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Viktor Baumeler: «Der Einbezug der Mitarbeitenden ist für den Erfolg des Konvergenz-Projekts zentral

Im laufenden Jahr sollen innerhalb der Regionen die strukturellen und organisatorischen Voraussetzungen für ein konvergentes Arbeiten im redaktionellen Bereich geschaffen werden. Dies hat der Verwaltungsrat SRG SSR Mitte März beschlossen. Auch in der Deutschschweiz sollen die noch getrennten Unternehmenseinheiten Radio und Fernsehen zu einer gemeinsamen, sprachregionalen Unternehmenseinheit zusammenwachsen. Das Konvergenzprojekt soll ohne Dominanz eines Mediums erarbeitet werden. Für Viktor Baumeler, VR-Präsident der SRG Deutschschweiz, ist der Einbezug der Mitarbeitenden in die Projektarbeiten unabdingbar, wie er im Interview mit «radio intern». dem Personalmagazin von Schweizer Radio DRS, festhält. Voraussetzung dafür sei jedoch ein publizistisches Gesamtkonzept.

«radio intern»: Die Verwaltungsräte SRG SSR idée suisse und SRG Deutschschweiz haben im März das Konvergenzprojekt verabschiedet und den Prozess lanciert. Sind Sie zufrieden?
Viktor Baumeler: Ich bin sehr froh und erleichtert darüber, dass der Grundsatzentscheid endlich gefallen ist. Jetzt wissen wir: Es wird in Zukunft in der Deutschschweiz ein SRG-Unternehmen unter einer Leitung geben. Radio- und Fernseh-Mitarbeitende arbeiten künftig für die gleiche Firma. Im Konvergenzprozess voranzukommen wird dadurch wesentlich einfacher.

Dass die SRG SSR ein Konvergenzprojekt durchführen möchte, war schon länger bekannt. Waren Sie überrascht von der Verunsicherung vieler Radio-Mitarbeitenden?
Nein. Grosse Veränderungen führen immer zu Verunsicherung und bei einigen auch zu Widerstand. Das ist normal. Verunsicherung und Widerstand lassen sich aber überwinden, wenn man einmal genauer sieht, wohin die Reise geht und vor allem, wenn man sich selber an der Gestaltung der Zukunft beteiligen kann. Deshalb werden wir mit breit abgestützten Projektteams arbeiten und alle regelmässig über die weiteren Projektarbeiten auf dem Laufenden halten.

SR DRS und SF haben eine Reihe von Projekten vereinbart, die in erster Priorität realisiert werden sollen. Werden diese Projekte Modellcharakter für den Gesamtprozess haben?
Es hat mich gefreut zu sehen, dass an einigen Orten bereits gemeinsame Vorhaben realisiert werden und erfolgreich sind. Ich denke da an «SF Meteo» oder «nachtwach», um nur zwei Beispiele zu nennen. Solche Beispiele zeigen, dass es geht. Das soll aber nicht heissen, dass nun alles und jedes so gemacht werden muss. Es braucht ein publizistisches Gesamtkonzept, das nun erarbeitet werden muss, und davon abgeleitet für das ganze Unternehmen ein Betriebskonzept und ein Konzept für die technische Infrastruktur.

Der VR SRG SSR hat entschieden, eine Projektleitung einzusetzen. Wer könnte diese Aufgabe übernehmen? Immerhin dürfte es sich dabei um eine temporäre Vollzeitstelle handeln.
Die Frage der Projektleitung wird der VR SRG Deutschschweiz bis Ende Juni entscheiden. Offen ist noch, ob es eine Co-Leitung geben soll oder doch eher eine Einer-Leitung. Die personelle Frage wollen wir erst angehen, wenn dieser Grundsatzentscheid getroffen ist.

Könnten nicht die Direktoren bzw. die entsprechenden Programmleiter bei beiden Medien weitere gemeinsame Handlungsfelder definieren? Oder anders gefragt: Braucht es wirklich eine Projektleitung?
Die Direktoren und auch die Programmleiter werden wichtige Inputs für das Projekt liefern – ohne Zweifel. Es braucht aber in jedem Fall auch jemanden, der das Projekt hauptverantwortlich vorantreibt und die Arbeiten in den verschiedenen Teilprojekten koordiniert.

Wie werden sich die Mitarbeitenden in die Projektarbeit einbringen können?
Der Einbezug der Mitarbeitenden aller Stufen ist für den Erfolg des Projekts zentral. Vorgesehen ist ein Begleitgremium mit Vertreterinnen und Vertretern des Schweizer Syndikats Medienschaffender (SSM) und und der Vereinigung der Kader (VDK). Einige werden in den Projektteams mitarbeiten und viele werden von diesen im Zuge der Arbeiten in ihrem Bereich kontaktiert werden. Daneben werden wir auch neue Formen der Mitwirkung prüfen. Genaueres lässt sich erst sagen, wenn im Sommer die detaillierte Projektplanung vorliegt.

SR DRS ist sehr dezentral organisiert, und die dezentrale Struktur mit den Studios Basel, Bern und Zürich und den Regionalstudios wird explizit beibehalten. Ist das nicht ein Widerspruch für einen Prozess, der als Konvergenz – also «Zusammenführung» – bezeichnet wird?
Ideal für Konvergenz wäre natürlich ein grosser Newsroom in einem «Studio Olten». So etwas ist aber nicht realistisch und der nationale Verwaltungsrat hat uns denn auch die Beibehaltung der heutigen Standorte als Rahmenbedingung vorgegeben. Richtig ist aber, dass räumliche Nähe ein wichtiger Erfolgsfaktor für konvergentes Arbeiten ist. Deshalb wird es – unter Beibehaltung der heutigen Standorte – zu Verschiebungen zwischen den Standorten kommen. Welche das sein werden und wie viele Mitarbeitende davon betroffen sein werden, muss das Projekt zeigen.

Werden Radio und Fernsehen in der Deutschschweiz neue Marken erhalten? Wenn ja, welche?
Die Frage des Brandings wird uns im Rahmen des Projekts intensiv beschäftigen. Antworten habe ich aber noch keine.

Die Konvergenz soll durch Zusammenlegungen verschiedener Supportprozesse finanziert werden. Als wie komplex beurteilen Sie dieses Vorhaben?
Das meiste, was wir im Rahmen des Konvergenzprojektes anrühren, ist komplex. Deshalb können wir auch keine schnellen Lösungen aus dem Ärmel schütteln. Der Support wird bei uns ein wichtiges Teilprojekt sein, das mit dem parallel laufenden nationalen Supportprojekt eng verzahnt werden muss.

Gerade in den Supportbereichen sorgen sich die Mitarbeitenden um ihre Stellen. Ist diese Sorge berechtigt?
Die Sorge ist berechtigt. Im Support müssen Mittel eingespart werden, wenn die Rechnung unter dem Strich aufgehen soll, das heisst wenn die Kosten des Konvergenzprojektes durch das Supportprojekt aufgefangen und darüber hinaus Mittel für Investitionen ins Programm freigespielt werden sollen. Ohne Stellenabbau wird dies nicht gehen. Allerdings wird die Umsetzung des Projekts über mehrere Jahre laufen, so dass diese Reduktion voraussichtlich über die natürliche Fluktuation aufgefangen werden kann. Sollte das nicht ganz gelingen, werden wir sozialverträgliche Lösungen suchen und auch finden.

Die Generaldirektion hat angekündigt, dass auch über das Support-Sparprojekt hinaus gespart werden muss. Rechnen Sie damit, dass in letzter Konsequenz auch Programme wie DRS Musikwelle und DRS Virus gefährdet sind, wie dies in der Sonntagspresse geschrieben wurde?
Dass gespart werden muss, ist klar – notfalls auch im Programmbereich. Wo dies aber im Einzelnen der Fall sein wird, ist noch nicht entschieden.

Radiodirektor Walter Rüegg wird im Juni 2010 pensioniert. Wie geht der Verwaltungsrat SRG Deutschschweiz bei der Neubesetzung der Radiodirektion vor?
Der VR SRG.D wird sich bei der Festlegung der weiteren Projektschritte des Themas annehmen und möglichst rasch Klarheit schaffen.

Quelle: Schweizer Radio DRS, radio intern / Andreas Notter, Datum: 12.05.09

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Medienkonvergenz: Zwischen Vision und Zukunftsangst - Zwei Radio-Mitarbeitende im Gespräch zum Projekt

Im Zuge der Medienkonvergenz sollen in der Deutschschweiz Radio und Fernsehen zu einer multimedialen Unternehmenseinheit zusammenwachsen. Das Projekt hat bei den Mitarbeitenden des «kleineren Players», dem Radio, Befürchtungen geweckt. Doch hat die SRG SSR klare Richtlinien herausgegeben: Es soll kein Medium das andere dominieren. Im Gespräch mit «radio intern», dem Personalmagazin von Schweizer Radio DRS, äussern sich Barbara Büttner, Produzentin und Moderatorin von DRS 4 News und Präsidentin des Schweizer Syndikats Medienschaffender (SSM) und Jürg Blättler, Leiter Gebäude von SR DRS, über ihre Bedenken und Erwartungen bezüglich des Konvergenzprojekts.

Barbara Büttner: «Konvergenz spielt schon seit langem»

«radio intern»: Was unterscheidet SR DRS in fünf Jahren vom heutigen SR DRS?
Barbara Büttner: Vielleicht gar nicht so viel. Ich denke, dass eine Zentralisierung auch in Zukunft politisch nicht durchsetzbar ist. Die Vollkonvergenz ist zu Recht an publizistischen und föderalistischen Bedenken gescheitert. Und am Geld. Wenn ich mir die roten Zahlen der SRG SSR ansehe, glaube ich nicht, dass sie sich in absehbarer Zeit kostspielige Umstrukturierungen leisten kann. Ich gehe deshalb davon aus, dass das finanziell gesündere Radio auch in fünf Jahren unter eigener Leitung qualitativ hochstehende Programme produzieren wird.

Verpassen SR DRS und SF mit der «Light»-Konvergenz nicht eine Chance?
Im Gegenteil. Die in der Konzession vorgeschriebene Meinungsvielfalt bleibt gewährleistet. Zudem: Radio und TV sind verschiedene Medien, die unterschiedliche Arbeitsweisen verlangen.

Wo gibt es Chancen im Projekt?
Kleineren, nicht tagesaktuellen Redaktionen bietet die Konvergenz Chancen, ihre Ressourcen zu vergrössern. Denkbar ist auch eine koordinierte Berichterstattung über einen Grossanlass. Dies könnte eine Bereicherung sein.

Wie ist die Stimmung in der Abteilung?
Skeptisch und verunsichert. Zum einen weil noch völlig offen ist, wie das Resultat aussehen wird. Zum anderen weil auch Arbeitsplätze gefährdet sind. Noch viel mehr Stellen sind bedroht, sollte es tatsächlich zum Programm-Abbau kommen. Diese Aussichten beunruhigen die Mitarbeitenden immens – das SSM wird dem nicht tatenlos zusehen.

Walter Rüegg sprach von der «kleinen Konvergenz» im Studio Bern. Was ist damit gemeint?
Die Information arbeitet bereits vernetzt: In der Planung, Koordination und Produktion. Intensiv einbezogen sind Online-Redaktion und Programme. Eine gewisse Konvergenz spielt also schon seit langem.

Sind zusätzliche Anpassungen im Arbeitsalltag zu erwarten?
Der Arbeitsalltag verändert sich ständig. Durch den technologischen Wandel und die gestiegenen Anforderungen. Doch es gibt Grenzen: Da ein bisschen Radio machen, dort ein bisschen TV, ein bisschen Technik, ein bisschen Online – das ist gefährlich. Da bleibt rasch einmal die Qualität auf der Strecke. Und eines werden wir bestimmt nie sein: Eier legende Wollmilchsäue.  

Jürg Blättler: «Es ist auch Optimismus angesagt»

Elias Loretan: Sie haben sich an den Personalveranstaltungen zur Konvergenz skeptisch geäussert. Weshalb?
Jürg Blättler: Die unterschiedlichen Rahmenbedingungen bei den Projekten Konvergenz und Supportprozess-Optimierung sind meiner Ansicht nach riskant. Es besteht das Risiko einer «Zweiklassengesellschaft » zwischen Redaktionen und Supportbereichen. Ein Auseinanderdividieren von etwas, was später wieder zusammenwachsen soll, ist gefährlich.

Sie sagten auch, die Supportbereiche hätten keine Lobby – warum?
Bereits in früheren Sparrunden spürte ich von Seiten der Programm-Kollegen wenig Aufmerksamkeit für unsere Anliegen. Ich mache mir natürlich nichts vor: Wir sind interne Dienstleister und kommen zuerst unter Druck. Aber unsere Kunden sollten auch bereit sein, die Folgen der Sparaktionen zu akzeptieren.

Was erwarten Sie vom Supportprojekt?
Optimieren wurde bisher gleichgesetzt mit Kosten senken – damit ist das Thema negativ besetzt. Es sollen jetzt aber vor allem Chancen formuliert werden. Ich bin überzeugt, dass sich Ziele und Sparvorgaben nicht ausschliessen müssen. Um optimale Ergebnisse erzielen zu können muss es aber gelingen, kreative, akzeptierte Mitarbeitende ins Boot zu holen und dafür freizustellen.

Welche Chancen sehen Sie konkret?
Fakt ist, dass Veränderungen dieser Grössenordnung nur etwa alle 20 Jahre möglich sind. Und ich finde, sie wären dringend – das ist eine allgemeine Chance. Für den Fachbereich Gebäude könnte im möglichen Zusammengehen mit unserer SF-Schwesterorganisation eine Win-Win-Situation entstehen. Mir schwebt eine neue, zukunftsorientierte Aufbauorganisation vor mit noch besserem Leistungsausweis, neuen Jobprofilen und Entwicklungsmöglichkeiten. Es ist also auch Optimismus angesagt.

Ist die Stimmung in Ihrem Team ebenfalls «skeptisch-optimistisch»?
Wegen der vielen offenen Fragen, und weil noch keine überzeugende Führung zu spüren ist, überwiegen Unsicherheit und Skepsis. Die Bereitschaft, sich neuen Herausforderungen zu stellen, ist aber vorhanden. Die Mitarbeitenden müssen einfach rasch «abgeholt» werden: Der Weg muss jetzt das erste Ziel sein.

Quelle: Schweizer Radio DRS, radio intern / Elias Loretan, Datum: 12.05.09

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Fahrplan Konvergenz
Der Verwaltungsrat der SRG SSR hat am 18. März 2009 beschlossen, dass im laufenden Jahr innerhalb der Regionen die strukturellen und organisatorischen Voraussetzungen für ein konvergentes Arbeiten im redaktionellen Bereich geschaffen werden sollen. In der Deutschschweiz (wie in der Romandie) sollen also die noch getrennten Unternehmenseinheiten zu einer gemeinsamen, sprachregionalen UE zusammenwachsen – wie bei RSI und RTR. Diese regionalen Konvergenzprojekte sollen ohne Dominanz eines Mediums erarbeitet werden. Die regionalen Verwaltungsräte setzen Projektleitungen ein, die diesem Umstand Rechnung tragen. Die Wahl der Direktoren in den Regionen erfolgt erst, nachdem der nationale VR die jeweiligen Projekte genehmigt hat.

Für die Deutschschweiz hat der regionale VR folgenden Zeitplan kommuniziert:

  1. Definieren von Projektauftrag und -organisation bis Ende Mai 2009.
  2. Einsetzen der Projektleitung bis Ende Juni 2009.
  3. Danach eigentliche Projektarbeit während rund eines Jahres und umfassender Projektbericht mit konkreten Anträgen zur Realisierung der Zusammenlegung von SR DRS und SF zu Handen des nationalen VR bis Mitte 2010.
  4. Dann Vorschlag eines neuen Direktors bis Ende 2010.
  5. Operativer Start der neuen gemeinsamen UE ab Anfang 2011.


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